Tipps: Automatisch sparen und Geld anlegen

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//Tipps: Automatisch sparen und Geld anlegen

Geld sparen GeldanlageSparen fällt vielen Menschen schwer. Sparen steht hier nicht für sparen beim Einkaufen, sondern für Sparen auf lange Sicht, zum Beispiel für die Altersvorsorge. Viele Menschen sparen aber nicht, obwohl sie es wollen und auch könnten. Warum ist das so? Wir gehen der Sache auf den Grund und verraten dir, mit welchen einfachen Tipps du richtig mit dem Sparen anfangen kannst. Und das sozusagen ganz automatisch und flexibel, ohne langfristige Verträge oder Verpflichtungen.

Kennst du den Umstand, dass dir vollkommen bewusst ist, dass du Sparen solltest? Du willst es auch, um Geld für das Alter zurückzulegen oder eine größere Investition (z.B. Hausbau, Eigentumwohnung oder ein neues Auto) zu tätigen? Eigentlich hast du auch am Monatsende immer etwas Geld über, aber du gibst es lieber aus, anstatt es auf ein Sparkonto zu überweisen? Und überhaupt kannst du ja auch nächsten Monat noch zur Bank, um über einen Sparplan zu sprechen?

Wenn dir das irgendwie bekannt vorkommt, geht es dir wie den meisten Menschen. Doch warum ist das so? Die Antwort findest du in der mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Prospekttheorie von Daniel Kahneman und Amos Tversky. Auf Grundlage dieser Theorie haben die Ökonomen Shlomo Benartzi und Richard Thaler einen Sparplan entwickelt, der als „Save More Tomorrow“-Programm bekannt ist. Nachfolgend erfährst du, was sich dahinter verbirgt und mit welchen psychologischen Tricks du das Sparen nicht mehr länger vor dir herschieben musst.

Grundlage des Sparens: Sparen automatisieren

Das Sparen zu automatisieren ist die Grundlegende Sparregel. Dahinter steckt die psychologische Erkenntnis, dass der Mensch in vielen Dingen oft ziemlich träge ist. Etwas wird aktiv getan, wenn es getan werden muss. Ansonsten wird meist der Weg des geringsten Widerstandes gewählt. Wenn der Status quo bereits funktioniert, wenn auch nur irgendwie, besteht keine dringende Notwendigkeit, etwas daran zu ändern.

Eines der einfachsten Beispiele ist der heimische Fernseher. Kaum jemand macht sich die Mühe, die Senderliste nach eigenen Wünschen zu sortieren. In der Regel wird das Ergebnis des automatischen Sendersuchlaufs einfach akzeptiert. Wenn man Jahre später eine andere Empfangstechnik verwendet und sich dadurch die Senderliste ändert, gewöhnen sich die meisten Menschen lieber an diese, statt sie so zu sortieren, wie sie es gewohnt sind.

Viele Menschen geben auch noch zu viel Geld für Strom und Gas aus, da die Versorgung funktioniert. Strompreise zu vergleichen und einen Wechsel zu beantragen ist eine Anstrengung, die man vermeiden kann und es auch oft tut.

Das zugrunde liegende Prinzip ist auch eine Erklärung dafür, dass Deutschland eines der Länder mit den meisten Organspendemuffeln ist. Es gibt Länder, in denen jeder Mensch automatisch Organspender ist. Wer das nicht möchte, kann sich von der Spenderliste streichen lassen. Tatsächlich machen das nur relativ wenige Leute. Dass die Organspendebereitschaft in Deutschland so gering ist, liegt nicht daran, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung die Organspende ablehnt. Es liegt eher daran, dass viele Menschen einfach zu faul sind, den Spenderausweis anzufordern und auszufüllen.

Beim Sparen ist das ebenso. Das am Monatsende übrig gebliebene Geld oder einen Teil davon jedes Mal auf ein Sparkonto zu überweisen, scheitert in der Regel an der eigenen Trägheit.

Selbstüberlistung: Nicht sofort anfangen zu Sparen

Neben der Trägheit gibt es ein weiteres großes Hindernis. Vielleicht kennst du das bekannte psychologische Experiment, in dem die Befragten sich zwischen zwei Optionen entscheiden müssen: Entweder sie bekommen jetzt einen hohen Geldbetrag ausgezahlt oder sie erhalten nur einen kleinen Betrag. Dieser Betrag wird aber über einen bestimmten Zeitraum regelmäßig immer wieder auf ein Konto überwiesen. Bei jeder Überweisung wird die überwiesene Summe verdoppelt. Nach Ablauf des Zeitraums würde die Gesamtsumme ausgezahlt werden.

Fast alle Befragten entschieden sich spontan für den die erste Option. Diejenigen, die sich mit den kleinen Beträgen zufriedengegeben haben, hätten nach Ablauf des Auszahlungszeitraums allerdings insgesamt rund das Doppelte erhalten.

Hier zeigt sich der psychologische Effekt des Präsenz-Bias. Die Menschen messen dem Jetzt eine höhere Bedeutung bei als der Zukunft. Sie wollen das Geld sofort, weil sich die Jetzt-Situation spontan verbessert. Dass sich die finanzielle Situation in der Zukunft weitaus mehr verbessern würde, ist in dem Moment unwichtig bzw. auch einfach schwer greifbar.

Beim Sparen verhält es sich ähnlich. Geld auf ein Sparkonto zu überweisen bedeutet, dass man auf seinem normalen Konto im Hier und Jetzt weniger Geld hat. Die Situation verschlechtert sich gefühlt. Obwohl es in der Gesamtsumme noch da ist, wird die Abbuchung als Verlust empfunden und es ist die unbewusste Angst vor Verlusten, die dann dazu führt, die Überweisung nicht zu tätigen und nicht zu sparen.

Dadurch ist die Sparregel eigentlich erfüllt, oder? Später anfangen zu Sparen ist schließlich der Vorsatz. So ist das aber nicht gemeint. Es geht darum, die Verlustangst zu überlisten.

Irgendeine innere Stimme sagt dir vermutlich häufiger, dass es schon gut ist, mit dem Geld das du hast. Jetzt ist alles gut. Aus diesem Grund solltest du das Sparen später beginnen, und zwar geplant. Lege einfach einen Termin fest, ab dem du anfängst und richte alles dafür ein. Es muss vorbereitet sein, denn die Gedanken an die Zukunft machen dir keine Angst, sonst würdest du wahrscheinlich gar nicht mit dem Sparen anfangen wollen. Du willst nur dein Jetzt nicht ändern. Die Lösung ist folglich, jetzt dein zukünftiges Jetzt zu ändern.

Mentale Buchführung: Beiläufiges Sparen

Beiläufiges Sparen? Mentale Buchführung? Hier wird es nicht esoterisch. In der Psychologie ist es unumstritten, dass der Mensch ein und dieselbe Sache komplett unterschiedlich bewertet und dabei nicht automatisch rational vorgeht. In der Regel unterteilen die Menschen den emotionalen Wert und die Bestimmung von Geld aufgrund dessen Herkunft in verschiedene Kategorien.

Eine davon ist geschenktes Geld. Das hat einen anderen Wert als verdientes Geld. Angenommen, du bekommst 100 Euro geschenkt. Das ist Geld, für das du dir was gönnen kannst. Du gehst vielleicht mit deiner Freundin in ein gutes Restaurant oder kaufst dir ein paar schöne Dinge davon. Dafür ist geschenktes Geld ja super geeignet.

In einem Paralleluniversum erhältst du ebenfalls 100 Euro. Das Geld bekommst du aber nicht geschenkt, sondern es handelt sich dabei um deine Steuerrückzahlung. Dieses Geld wird für dich vermutlich keinen besonderen Stellenwert haben, sondern in die finanzielle Alltagsplanung einfließen.

Dabei ist auf rein objektiver Ebene in beiden Fällen nur eines passiert: Du hast 100 Euro mehr als vorher. Und doch würdest du dich wahrscheinlich besser fühlen, die geschenkten 100 Euro für einen Restaurantbesuch auszugeben als die verdienten 100 Euro.

Genau dieser Bewertungseffekt kann dir helfen, beiläufig zu Sparen. Der Trick dabei ist, Sparen und normale Zahlungen zu kombinieren.

Hilfsmittel: Onlinebanking / Finanz-Apps

Onlinebanking-Portale bieten häufig deutlich mehr Möglichkeiten, als sich über seinen Kontostand zu informieren oder Überweisungen zu tätigen. Alternativ kannst du die nachfolgenden Tipps auch über eine zertifizierte Finanz-App auf deinem Smartphone oder Tablet umsetzen.

Tipp 1: “Aufrunden bitte“

Wenn du diese beiden Worte an der Supermarktkasse sagst, wird dein zu zahlender Betrag aufgerundet. Die paar Cent werden dann gespendet und einem guten Zweck zugeführt. Der psychologische Trick dahinter ist ganz einfach.

Wenn das Geld physisch gespendet wird, geschieht das in einer separaten Handlung. Man „verliert“ gleich zweimal Geld, einmal das Geld für den Einkauf und anschließend das für die Spende. „Aufrunden bitte“ führt zum gleichen Ergebnis, doch es wird als deutlich angenehmer empfunden. Hierbei ist es auch egal, ob der Einkauf mit physischem Geld oder bargeldlos bezahlt wird.

Hier greift nämlich ein dritter Effekt: Die Ausgaben werden nicht isoliert betrachtet. Es entsteht kein hinderlicher Gedanke nach dem Motto „Das sind meine drei Cent, die gebe ich jetzt doch nicht einfach so weg“. Vielmehr sieht man die zu zahlende Summe und nimmt sich diese zum Maßstab. In dieser Situation sind Gedanken naheliegender die ungefähr wie dieser klingen: „Ach, die drei Cent machen es jetzt auch nicht aus“.

Und genau auf diese Weise kannst du auch Sparen. Lass deine Abbuchungen vom Konto einfach aufrunden (Daher der Hinweis auf Onlinebanking und Finanz-Apps). Leg dir ein kostenloses Sparkonto an und lass den aufgeschlagenen Wert automatisch auf dieses überweisen. Angenommen, du kaufst dir ein paar neue Hosen für 86 Euro und bezahlst mit deiner EC-Karte. Statt 86 Euro werden jetzt 90 Euro abgebucht, von denen 4 Euro auf deinem Sparkonto landen. Diese vier Euro tun dir nicht weh, ob sie nun abgebucht werden oder nicht. Würdest du sie separat überweisen wollen, käme dir der „Verlust“ viel schlimmer vor.

Du hast dabei auch noch einen zusätzlichen positiven Effekt. Du hast nämlich nicht nur mental, sondern auch physisch zwei Konten. Das normale Girokonto und das Sparkonto. Ein zusätzlicher positiver Effekt des Sparkontos ist der, dass du dich regelmäßig über die Kontoauszüge freuen kannst, denn es kommt ja ständig Geld dazu. Auf der anderen Seite hast du dein Girokonto, auf dem zwar weniger Geld drauf ist als vor dem Sparen.

Psychologisch interessant ist der Umstand, dass dich das vermutlich überhaupt nicht stören wird. Du wirst dich an die neue Situation rasch gewöhnen und dich ganz automatisch daran anpassen. Im Grunde spürst du nur die Auswirkungen einer selbst verursachten Inflation. Wenn die Strom-, Gas- oder Benzinpreise steigen hat das denselben Effekt, abgesehen davon, dass du deine eigene Inflation stoppen kannst, falls du dich damit übernommen haben solltest. Das Geld ist schließlich nicht weg, sondern wird nur an einem anderen Ort, deinem Sparkonto, aufbewahrt.

Tipp 2: Grundkontostand festlegen und Sparbremse einrichten

Dieser Tipp hilft dir dabei, relativ schnell relativ viel Geld anzusparen. Er kann auch sehr gut mit Tipp 1 kombiniert werden und dient in diesem Fall als Sparbremse: Der Grundkontostand.

Du weißt sicherlich, wann dein Kontostand regelmäßig an seinem Tiefpunkt angelangt ist. In der Regel ist das der letzte Tag des Monats und zugleich der Tag, nach dem du wieder dein Gehalt überwiesen bekommst.

In deiner App oder deinem Onlinebanking-Portal kannst du dir einen Grundkontostand einrichten, zum Beispiel 200 Euro. Dann legst du fest, dass am Tag vor dem Gehaltseingang alles bis auf diese 200 Euro auf das Sparkonto überwiesen wird. Sollte dein Kontostand zu diesem Zeitpunkt weniger als 200 Euro betragen, wird auch nichts überwiesen.

Auch bei diesem Tipp wird gezielt mit der eigenen Psyche gespielt. Angenommen, du würdest nach dem vielleicht klassischsten aller Modelle Sparen: Per Dauerauftrag wird jeden Monat ein festgelegter Betrag auf das Sparkonto überwiesen. Diese Überweisung wird dir spätestens dann für eine ganze Weile nicht aus dem Kopf gehen, wenn dir unerwartete Ausgaben entstanden sind. Hast du in einem Monat mehr Geld als normalerweise ausgegeben, weil vielleicht eine neue Waschmaschine her musste, lassen sich sorgenvolle Gedanken bezüglich des Dauerauftrags kaum vermeiden. Reicht das Geld noch dafür?

Mit diesem dynamischen Sparmodell hast du derartige Gedanken sicherlich nicht. Wenn am Monatsende viel Geld übrig ist, wird viel auf das Sparkonto überwiesen. Wenn nur noch wenig Geld da ist, wird nichts überwiesen. Du brauchst dich quasi um nichts zu kümmern.

In Kombination mit dem ersten Tipp ändert sich die Funktion des Grundkontostands. Wenn das Konto sowieso bis auf einen festgelegten Betrag leergeräumt wird, ergibt es keinen Sinn, zusätzlich immer die kleinen Beträge zu überweisen. Wenn du mit der Aufrunden-Methode sparst, kannst du den Grundkontostand als Stoppschild nutzen. Du definierst einen bestimmten Betrag, ab dem nicht mehr aufgerundet wird. So kennst du zum Beispiel festlegen, dass nur aufgerundet wird, wenn du noch mehr als 200 Euro auf dem Girokonto hast.

Tipp 3: Mit Dividendenfonds Kapital erhöhen und Spareinlage sichern

Die beiden vorherigen Spartipps haben einen großen Vorteil: Es wird nur gespart, was gespart werden kann und wenn das Geld knapp wird, ist das Gesparte jederzeit verfügbar. Genau das ist aber auch der größte Nachteil.

Wenn deine Selbstdisziplin nicht ausgereicht hat, um mit dem Sparen anzufangen, anstatt das Geld dann doch auszugeben, ist die Wahrscheinlichkeit nicht sonderlich klein, dass du auf dein Sparkonto schaust und etwas denkst wie: „Dieses gerade erschienene Smartphone reizt mich ja schon sehr und wenn ich das Geld zurück auf mein Girokonto überweise…“.

Gerade wenn du dazu neigen solltest, solchen verführerischen Gedanken nachzugeben, sollte das gesparte Geld regelmäßig „weggeschafft“ werden. Eine mögliche Idee ist die automatische Investition in Aktienfonds (z.B. Dividendenfonds) oder auch ETFs. Gerade die Investition in Dividendenfonds gilt als sehr sicher, da diese Fonds nur in Unternehmen investieren, welche regelmäßig Dividenden ausschütten, sprich, ihre Investoren am Gewinn beteiligen und das bereits über viele Jahre und nicht einmalig.

Dividendenfonds investieren folglich in „sichere“ Unternehmen. Die Anführungszeichen sollen hier nur darauf hindeuten, dass konstante Gewinne auch mit Dividendenfonds nicht garantiert sind. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fonds ist das Risiko hier aber geringer. Bei der derzeitigen Niedrigzinspolitik sind Dividendenfonds ideal für jeden, der sein Kapital mit minimalem Risiko mit mehr als 0,1% Zinsen anlegen möchte.

Die wohl effizienteste Sparmethode ist eine Kombination mit den anderen Tipps. Du kannst zum Beispiel eine Grenze festlegen, ab der Regelmäßig in einen Fonds oder ETF investiert wird. Das könnte dann in etwa so aussehen: Die Grenze beträgt 1000 Euro. Dieser Betrag bleibt immer auf deinem Sparkonto. Er dient sozusagen als Rücklage bzw. Notgroschen für den Fall eines akuten finanziellen Engpasses. Immer am Monatsende wird automatisch alles bis auf diese 1000 Euro in einen Fonds oder auch ETF per Sparplan investiert. Oder du legst fest, dass beispielsweise immer 200 Euro investiert werden, wenn der Kontostand 1500 Euro erreicht hat.

Du siehst, Sparen ist ganz einfach. Du musst dich eigentlich nur einen Nachmittag lang hinsetzen und überlegen, welche der Sparmethoden dir am besten gefällt und zu deiner generellen finanziellen Situation sowie deinem Konsumverhalten passt. Anschließend brauchst du das nur noch in deinem Onlinebanking-Portal oder der App deiner Wahl einrichten und schon sparst du ganz beiläufig und automatisiert.

Bange Gedanken nach dem Motto „Ich muss mich bei jedem Einkauf zurückhalten, damit auch bloß noch genug Geld zum Sparen über bleibt“ brauchst du mit diesen Tipps nicht zu befürchten. Genauso wenig musst du dir Sorgen um deine berufliche Zukunft machen.

Mit einem langfristig angelegten Sparplan bei einer Bank, bei dem du regelmäßig einen festgelegten Betrag anlegst, könntest du schnell in Schwierigkeiten geraten wenn du zum Beispiel deinen Job verlierst. Das ist hier nicht der Fall, denn du kannst deinen eigenen Sparplan jederzeit anpassen und auf das Geld auf deinem Sparkonto zugreifen.