Ratgeber: Beziehung und Finanzen

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Die meisten Streitigkeiten in einer Beziehung drehen sich um das liebe Geld. Der Eine kann nicht richtig planen, die Andere gibt zu viel Geld aus und sowieso hat niemand den Überblick. Laut einer Forsa-Umfrage gibt es bei 66 Prozent aller Paare sogar regelmäßig Streit ums Geld. Wir möchten dich davor bewahren und dir ein paar wichtige Tipps geben, wie du finanziell mit deinem Partner oder deiner Partnerin in Frieden leben kannst.

Gemeinsames Konto?

Der erste Gedanke ist natürlich, die Finanzen zusammenzuführen und ein gemeinsames Konto zu eröffnen, auf das alle Einkünfte eingezahlt werden. Die Fixkosten für Miete, Versicherungen etc. werden auch davon abgebucht und so können beide jederzeit sehen, wie viel Geld denn noch bis Monatsende vorhanden ist.

Dieser Gedanke ist grundlegend nicht verkehrt. Tatsächlich funktioniert dieses Konzept auch für viele Paare. Ein Grundproblem wird dadurch allerdings nicht gelöst: Die Abbuchungen erfolgen normalerweise nicht innerhalb eines engen Zeitfensters. So wird die Miete am Monatsanfang abgebucht, ein paar Tage später wird der Gasabschlag abgebucht, zur Monatsmitte ziehen dann Internetprovider und Stromanbieter ihr Geld ein und die Handyrechnung wird am Ende des Monats abgebucht.

Die Problematik der Unübersichtlichkeit bleibt. Jeder muss stets im Hinterkopf haben, wann welche Posten abgebucht werden. Wenn man sich gegen Monatsende über seinen Kontostand freut und sich etwas Schönes gönnt, ist der Streit vorprogrammiert, wenn die noch ausstehende Zahlung an den Mobilfunkanbieter vergessen wurde.

Ein weiterer Nachteil ist der Verlust der Privatsphäre. Beide können sehen, was der Andere wo ausgegeben hat. Hast du in deiner Beziehung auch schon mal die beliebte Vereinbarung getroffen, sich dieses Jahr zu Weihnachten nichts zu schenken? Daran hält sich niemand, irgendetwas „nur zum auspacken“ kauft man ja doch immer, und sei es nur eine Schachtel ihrer Lieblingspralinen. Doch was machst du, wenn du vor Weihnachten auf euer Konto schaust, dir einfällt, dass du mal etwas über ein Tablet gesagt hast und auf einmal hat deine Partnerin 199 Euro bei einem großen Elektronikhändler ausgegeben.

Du weißt natürlich nichts von dem Einkauf und sitzt jetzt mit deinen Pralinen in der Klemme. Nun musst du doch noch schnell zum Juwelier und die hübsche Kette kaufen. Das machst du aber schlauer als sie, denn du zahlst in bar. Dumm nur, dass ihr der Blick aufs Konto verrät, dass du eine ungewöhnlich hohe Summe Bargeld abgehoben hast, ohne ihr etwas davon zu sagen.

Ein gemeinsames Konto kann natürlich auch funktionieren. Es ist sehr gut geeignet, um Fixkosten zu verrechnen und gemeinsame Einkäufe zu bezahlen. So gibt es dann keinen Streit, von wessen Konto das Geld abgebucht wird, frei nach dem Motto „den teuren Wochenendeinkauf muss ja sowieso immer nur ich bezahlen“. Der Trick ist dabei, dass jeder ein bestimmtes Budget zur Verfügung hat.

Idealerweise hat jeder noch ein privates Konto, auf das monatlich ein gewisser Betrag als Taschengeld überwiesen wird, mit dem dann jeder machen kann, was er möchte. Größere Anschaffungen werden dann entweder abgesprochen und mit dem Taschengeld des anderen verrechnet oder eben vom gemeinsamen Konto bezahlt.

Finanzen in der Beziehung: Haushaltsplan und getrennte Konten

Unabhängig von der Zahl der Konten ist ein Haushaltsplan unvermeidbar. Einkommen und monatliche Fixkosten müssen zusammengerechnet werden. Idealerweise gehen alle Fixkosten von einem Konto ab. Hier als Beispiel einmal das Modell, das der Autor hier selbst anwendet. Natürlich gab es auch schon Streitigkeiten wegen dem lieben Geld. Meine Ehefrau und ich haben keinen Streit mehr wegen Geld gehabt, seitdem wir nachfolgendes Modell eingeführt haben:

Wir sind beide berufstätig mit eigenem Einkommen. Alle Fixkosten wie Miete, Strom, Gas, Internet, Handys, Versicherungen und so weiter gehen von meinem Konto ab. Das ist fest geregelt und funktioniert. Nun habe ich danach natürlich kein Geld mehr. Wir haben unsere Einkommen zusammengerechnet und die Fixkosten abgezogen. Übrig bleibt das Geld, das wir zum Leben haben. Meine Frau überweist mir dann monatlich so viel Geld, dass wir beide gleich viel „über“ haben.

In jeder festen Beziehung gibt es Regeln und Rituale. Streitigkeiten bezüglich der Lebensmittelkäufe braucht es auch nicht zu geben. Sie zahlt den Wochenendeinkauf, ich das, was unter der Woche noch ansteht. Bei uns zahlen beide pro Woche in etwa gleich viel. Familien mit Kindern müssten die Aufteilung sicherlich etwas anders gestalten, aber auch da kristallisiert sich ja recht schnell heraus, was so ein Einkauf im Durchschnitt kostet.

Außerdem ist es wichtig, dass man miteinander spricht, wenn man eine Schieflage der Verteilung bemerken sollte. Auch mögliche Ausgaben sollten rechtzeitig angesprochen werden. Wenn zum Beispiel die Waschmaschine komische Geräusche macht, kann sich ein Defekt ankündigen. Nun sollten beide Partner mit dem Geld etwas vorsichtiger sein, damit man für ein neues Gerät zusammenlegen kann.

Die Kombination mit dem Sparplan

Idealerweise kombiniert man diese Budgetierung mit einem Sparplan für automatisches Sparen. Wenn beide Partner gleich viel Geld haben, bzw. das gleiche Budget, sollten auch beide monatlich etwas sparen, zum Beispiel jeden Monat per Dauerauftrag 50 Euro auf ein gemeinsames Tagesgeldkonto einzahlen.

Das Geld ist dann für gemeinsame Anschaffungen und Notfälle, wie zum Beispiel die defekte Waschmaschine. Auch ein gemeinsamer Urlaub wird so zu gleichen Teilen finanziert. Sätze wie „du gibst so viel Geld aus, während ich versuche, für unseren Urlaub zu sparen“ haben dann keine Grundlage mehr und sind somit auch kein Anlass zum Streit.

Sollte jemand etwas von dem Geld für eine private Anschaffung ausgeben wollen, müssen beide offen darüber reden können. Meist ergibt es sich, dass der Partner auch einen kleinen Wunsch hat. Wenn das Geld reicht, können sich ja beide den Wunsch erfüllen und anschließend wie gewohnt weiter sparen.

Und noch ein letzter Tipp: Niemand denkt gerne darüber nach, aber kümmert euch bitte beide rechtzeitig um Kontovollmachten für den Todesfall oder bei schlimmen Ereignissen. Wenn ein Partner stirbt oder auch nur im Koma liegt, sollte der Andere die Möglichkeit haben, auf das Geld zugreifen zu können.