Rat­ge­ber: Bezie­hung und Finan­zen

.

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

.
/ / Rat­ge­ber: Bezie­hung und Finan­zen

Die meis­ten Strei­tig­kei­ten in einer Bezie­hung dre­hen sich um das lie­be Geld. Der Eine kann nicht rich­tig pla­nen, die Ande­re gibt zu viel Geld aus und sowie­so hat nie­mand den Über­blick. Laut einer For­sa-Umfra­ge gibt es bei 66 Pro­zent aller Paa­re sogar regel­mä­ßig Streit ums Geld. Wir möch­ten dich davor bewah­ren und dir ein paar wich­ti­ge Tipps geben, wie du finan­zi­ell mit dei­nem Part­ner oder dei­ner Part­ne­rin in Frie­den leben kannst.

Gemein­sa­mes Kon­to?

Der ers­te Gedan­ke ist natür­lich, die Finan­zen zusam­men­zu­füh­ren und ein gemein­sa­mes Kon­to zu eröff­nen, auf das alle Ein­künf­te ein­ge­zahlt wer­den. Die Fix­kos­ten für Mie­te, Ver­si­che­run­gen etc. wer­den auch davon abge­bucht und so kön­nen bei­de jeder­zeit sehen, wie viel Geld denn noch bis Monats­en­de vor­han­den ist.

Die­ser Gedan­ke ist grund­le­gend nicht ver­kehrt. Tat­säch­lich funk­tio­niert die­ses Kon­zept auch für vie­le Paa­re. Ein Grund­pro­blem wird dadurch aller­dings nicht gelöst: Die Abbu­chun­gen erfol­gen nor­ma­ler­wei­se nicht inner­halb eines engen Zeit­fens­ters. So wird die Mie­te am Monats­an­fang abge­bucht, ein paar Tage spä­ter wird der Gas­ab­schlag abge­bucht, zur Monats­mit­te zie­hen dann Inter­net­pro­vi­der und Strom­an­bie­ter ihr Geld ein und die Han­dy­rech­nung wird am Ende des Monats abge­bucht.

Die Pro­ble­ma­tik der Unüber­sicht­lich­keit bleibt. Jeder muss stets im Hin­ter­kopf haben, wann wel­che Pos­ten abge­bucht wer­den. Wenn man sich gegen Monats­en­de über sei­nen Kon­to­stand freut und sich etwas Schö­nes gönnt, ist der Streit vor­pro­gram­miert, wenn die noch aus­ste­hen­de Zah­lung an den Mobil­funk­an­bie­ter ver­ges­sen wur­de.

Ein wei­te­rer Nach­teil ist der Ver­lust der Pri­vat­sphä­re. Bei­de kön­nen sehen, was der Ande­re wo aus­ge­ge­ben hat. Hast du in dei­ner Bezie­hung auch schon mal die belieb­te Ver­ein­ba­rung getrof­fen, sich die­ses Jahr zu Weih­nach­ten nichts zu schen­ken? Dar­an hält sich nie­mand, irgend­et­was „nur zum aus­pa­cken“ kauft man ja doch immer, und sei es nur eine Schach­tel ihrer Lieb­lings­pra­li­nen. Doch was machst du, wenn du vor Weih­nach­ten auf euer Kon­to schaust, dir ein­fällt, dass du mal etwas über ein Tablet gesagt hast und auf ein­mal hat dei­ne Part­ne­rin 199 Euro bei einem gro­ßen Elek­tro­nik­händ­ler aus­ge­ge­ben.

Du weißt natür­lich nichts von dem Ein­kauf und sitzt jetzt mit dei­nen Pra­li­nen in der Klem­me. Nun musst du doch noch schnell zum Juwe­lier und die hüb­sche Ket­te kau­fen. Das machst du aber schlau­er als sie, denn du zahlst in bar. Dumm nur, dass ihr der Blick aufs Kon­to ver­rät, dass du eine unge­wöhn­lich hohe Sum­me Bar­geld abge­ho­ben hast, ohne ihr etwas davon zu sagen.

Ein gemein­sa­mes Kon­to kann natür­lich auch funk­tio­nie­ren. Es ist sehr gut geeig­net, um Fix­kos­ten zu ver­rech­nen und gemein­sa­me Ein­käu­fe zu bezah­len. So gibt es dann kei­nen Streit, von wes­sen Kon­to das Geld abge­bucht wird, frei nach dem Mot­to „den teu­ren Wochen­end­ein­kauf muss ja sowie­so immer nur ich bezah­len“. Der Trick ist dabei, dass jeder ein bestimm­tes Bud­get zur Ver­fü­gung hat.

Idea­ler­wei­se hat jeder noch ein pri­va­tes Kon­to, auf das monat­lich ein gewis­ser Betrag als Taschen­geld über­wie­sen wird, mit dem dann jeder machen kann, was er möch­te. Grö­ße­re Anschaf­fun­gen wer­den dann ent­we­der abge­spro­chen und mit dem Taschen­geld des ande­ren ver­rech­net oder eben vom gemein­sa­men Kon­to bezahlt.

Wenn ihr ein Gemein­schafts­kon­to eröff­net, denkt ihr sicher­lich nicht an die Mög­lich­keit der Tren­nung. Doch auch bei der har­mo­nischs­ten Bezie­hung kann es irgend­wann so weit sein. In einem sepa­ra­ten Arti­kel haben wir beleuch­tet, wie es mit dem Gemein­schafts­kon­to bei einer Tren­nung aus­sieht.

Finan­zen in der Bezie­hung: Haus­halts­plan und getrenn­te Kon­ten

Unab­hän­gig von der Zahl der Kon­ten ist ein Haus­halts­plan unver­meid­bar. Ein­kom­men und monat­li­che Fix­kos­ten müs­sen zusam­men­ge­rech­net wer­den. Idea­ler­wei­se gehen alle Fix­kos­ten von einem Kon­to ab. Hier als Bei­spiel ein­mal das Modell, das der Autor hier selbst anwen­det. Natür­lich gab es auch schon Strei­tig­kei­ten wegen dem lie­ben Geld. Mei­ne Ehe­frau und ich haben kei­nen Streit mehr wegen Geld gehabt, seit­dem wir nach­fol­gen­des Modell ein­ge­führt haben:

Wir sind bei­de berufs­tä­tig mit eige­nem Ein­kom­men. Alle Fix­kos­ten wie Mie­te, Strom, Gas, Inter­net, Han­dys, Ver­si­che­run­gen und so wei­ter gehen von mei­nem Kon­to ab. Das ist fest gere­gelt und funk­tio­niert. Nun habe ich danach natür­lich kein Geld mehr. Wir haben unse­re Ein­kom­men zusam­men­ge­rech­net und die Fix­kos­ten abge­zo­gen. Übrig bleibt das Geld, das wir zum Leben haben. Mei­ne Frau über­weist mir dann monat­lich so viel Geld, dass wir bei­de gleich viel „über“ haben.

In jeder fes­ten Bezie­hung gibt es Regeln und Ritua­le. Strei­tig­kei­ten bezüg­lich der Lebens­mit­tel­käu­fe braucht es auch nicht zu geben. Sie zahlt den Wochen­end­ein­kauf, ich das, was unter der Woche noch ansteht. Bei uns zah­len bei­de pro Woche in etwa gleich viel. Fami­li­en mit Kin­dern müss­ten die Auf­tei­lung sicher­lich etwas anders gestal­ten, aber auch da kris­tal­li­siert sich ja recht schnell her­aus, was so ein Ein­kauf im Durch­schnitt kos­tet.

Außer­dem ist es wich­tig, dass man mit­ein­an­der spricht, wenn man eine Schief­la­ge der Ver­tei­lung bemer­ken soll­te. Auch mög­li­che Aus­ga­ben soll­ten recht­zei­tig ange­spro­chen wer­den. Wenn zum Bei­spiel die Wasch­ma­schi­ne komi­sche Geräu­sche macht, kann sich ein Defekt ankün­di­gen. Nun soll­ten bei­de Part­ner mit dem Geld etwas vor­sich­ti­ger sein, damit man für ein neu­es Gerät zusam­men­le­gen kann.

Die Kom­bi­na­ti­on mit dem Spar­plan

Idea­ler­wei­se kom­bi­niert man die­se Bud­ge­tie­rung mit einem Spar­plan für auto­ma­ti­sches Spa­ren. Wenn bei­de Part­ner gleich viel Geld haben, bzw. das glei­che Bud­get, soll­ten auch bei­de monat­lich etwas spa­ren, zum Bei­spiel jeden Monat per Dau­er­auf­trag 50 Euro auf ein gemein­sa­mes Tages­geld­kon­to ein­zah­len.

Das Geld ist dann für gemein­sa­me Anschaf­fun­gen und Not­fäl­le, wie zum Bei­spiel die defek­te Wasch­ma­schi­ne. Auch ein gemein­sa­mer Urlaub wird so zu glei­chen Tei­len finan­ziert. Sät­ze wie „du gibst so viel Geld aus, wäh­rend ich ver­su­che, für unse­ren Urlaub zu spa­ren“ haben dann kei­ne Grund­la­ge mehr und sind somit auch kein Anlass zum Streit.

Soll­te jemand etwas von dem Geld für eine pri­va­te Anschaf­fung aus­ge­ben wol­len, müs­sen bei­de offen dar­über reden kön­nen. Meist ergibt es sich, dass der Part­ner auch einen klei­nen Wunsch hat. Wenn das Geld reicht, kön­nen sich ja bei­de den Wunsch erfül­len und anschlie­ßend wie gewohnt wei­ter spa­ren.

Und noch ein letz­ter Tipp: Nie­mand denkt ger­ne dar­über nach, aber küm­mert euch bit­te bei­de recht­zei­tig um Kon­to­voll­mach­ten für den Todes­fall oder bei schlim­men Ereig­nis­sen. Wenn ein Part­ner stirbt oder auch nur im Koma liegt, soll­te der Ande­re die Mög­lich­keit haben, auf das Geld zugrei­fen zu kön­nen.
1 Sterne2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewer­tun­gen, Durch­schnitt: 5,00 von 5 Bewer­tun­gen)

Ver­wand­te Arti­kel: